Iljas Welt war immer streng kontrolliert. Er bevorzugte dieses Leben – ein Leben der Ordnung, Verantwortung und klarer Grenzen. Aber die Stille im Haus, nachdem Mascha gegangen war, war nicht die Ruhe, von der er geträumt hatte. Sie war schwer, vorwurfsvoll und unerbittlich.
Die Erinnerungen an den letzten Streit wirbelten weiterhin heftig in seinem Kopf. Mascha stand mit verschränkten Armen da, ihre Stimme war kalt.
— Ich werde dich nicht mit meinem Freund bekannt machen, Papa. Ich bin 18! Ich brauche deine Erlaubnis für Dates nicht.
Der Streit entbrannte und sie ging, die Tür hinter sich zuschlagend. Ilja überzeugte sich, dass er im Recht war – er schützte sie. Aber als die Tage zu Wochen wurden und die Stille von ihrem Fehlen unerträglich wurde, verstand er, dass er nicht mehr so weiterleben konnte.
Eines Tages, als er an einem Café in der Nähe seines Büros vorbeiging, hörte er ein vertrautes Lachen, das den Lärm durchbrach. Er drehte sich abrupt um und sah sie – Mascha. Sie saß in der Ecke, die Hand auf ihrem gewölbten Bauch.
Ilja erstarrte. Schwanger. Sein Mädchen war schwanger.
Vor ihr saß Jurij – sein bester Freund der letzten zwanzig Jahre. Jurij, dem Ilja alles anvertraut hatte. In seiner Brust brodelten Verwirrung und Wut. Ohne nachzudenken stürmte er ins Café.
— Mascha! — brüllte er, was sie erschrecken ließ. Im Café herrschte sofort Stille, alle drehten sich um und beobachteten das sich entfaltende Szenario. — Was ist das für ein Mist?
Ihr Gesicht erbleichte, sie deckte instinktiv ihren Bauch ab. Jurij stand auf und hob die Hände in einer Geste der Beruhigung.
— Ilja, lass uns darüber reden, — begann Jurij, aber Ilja war zu weit entfernt.
— Ist das der Typ, mit dem du mich nicht bekannt machen wolltest? — fauchte Ilja und deutete auf Jurij. — Dieser? Mein bester Freund?
— Das ist nicht, was du denkst! — murmelte Mascha, ihre Stimme zitterte.
— Nicht, was du denkst? — explodierte Ilja. — Du sitzt hier, schwanger, mit dem Mann, dem ich am meisten vertraut habe. Was soll ich noch denken?
Jurij trat einen Schritt nach vorne, versuchte die Situation zu entschärfen, doch sein Fuß stolperte über das Stuhlbein. Er stürzte zurück, und alles im Café schien den Atem anzuhalten, als er zu Boden fiel. Sein Kopf schlug mit einem dumpfen Geräusch auf den Boden, und Jurij blieb reglos liegen.
Mascha schrie und fiel auf die Knie neben ihm.
— Ruft einen Krankenwagen! — rief jemand, aber Mascha griff bereits nach ihrem Handy.
Ilja stand wie erstarrt da, das Gewicht des Geschehenen überrollte ihn.
Einige Stunden später saßen Ilja und Mascha im Krankenhausflur. Die Spannung zwischen ihnen war unerträglich. Niemand sprach, bis Mascha schließlich die Stille brach.
— Du hast alles falsch verstanden, — sagte sie, ihre Stimme zitterte. — Das Kind ist nicht von ihm.
Ilja drehte sich zu ihr, in seinen Augen mischten sich Verwirrung und Schuld.
— Was passiert dann, Mascha?
Sie atmete tief ein.
— Das Kind ist von Dima. Wir waren zusammen, als ich weggegangen bin. Aber als ich ihm sagte, dass ich schwanger bin, ist er gegangen. Ich hatte keinen Ort, an den ich gehen konnte, also ging ich zu Jurij. Er ließ mich bei ihm bleiben und half mir, herauszufinden, was ich tun soll. Das ist alles, Papa. Er hat mir einfach geholfen.**
Iljas Brust zog sich zusammen. Der Zorn, der ihn zuvor getrieben hatte, schien nun leer und unangebracht. Er hatte seinen besten Freund beschuldigt — seine Tochter — und wofür? Für Stolz? Den Wunsch zu kontrollieren?
Als Susanna, die Frau von Jurij, kam, war sie in Panik. Der Arzt erklärte, dass Jurij ein subdurales Hämatom erlitten hatte und eine dringende Operation benötigte. Diese Worte trafen Ilja wie ein Hammer, und die Realität dessen, was er mit seiner Wut angerichtet hatte, wurde ihm klar.
Susannas Stimme zitterte, als sie fragte:
— Und was ist mit den Kosten? Wir haben keine Ersparnisse für so etwas.
Ilja zögerte nicht. Er ging nach Hause und sammelte alles, was er konnte — Ersparnisse, Notfallfonds, Kleingeld — alles, um die Kosten für die Operation zu decken. Nachdem er Susanna den Umschlag überreicht hatte, sagte er:
— Er ist mein bester Freund. Das ist das Mindeste, was ich tun kann.