Das Kalb beschloss, das Kind loszuwerden — trotz des Bräutigams, der es verlassen hatte. Aber es hätte ihr gekostet, die Schwelle des Heilerhauses zu überschreiten, als sie erstarrte.

—Kohl … ich habe Angst …» flüsterte Lera, als sie sich am Saum ihres schlichten Kleides festhielt.

Ihre Stimme zitterte wie ein Blatt im Herbstwind, und ihre Augen blickten voller Tränen und Angst flehend auf den Nikolaus.

Es geht nicht nur um Unterstützung — es geht um Rettung.

— Wovor hast du Angst? er sprach liebevoll und umarmte sie um die Schultern.

— In einem Monat haben wir eine Hochzeit. Alles ist bereits gelöst.

Die Familie weiß es. Wir werden eine Familie sein.

— Und wenn du deine Meinung änderst?.. sie flüsterte mit einem Schmerz in ihrer Stimme.

— Und wenn du gehst?.. Was soll ich dann tun — allein, mit dem Kind?

—Du bist mein dummes Ding», lächelte er und küsste sie auf die Stirn.

— Wenn ein Junge geboren wird, werden wir zusammen fischen, ihm beibringen, ehrlich und stark zu sein.

Und wenn ein Mädchen dir eine Freude macht, eine Assistentin, dein Licht.

— Und wenn sie nach ihrem Vater sucht?…

— Findet. Ich werde ihr Vater sein. Bald wirst du meinen Nachnamen annehmen und meine Frau werden.

Du wirst keine Angst mehr haben. Das verspreche ich dir.

Er küsste sie zärtlich wie beim allerersten Mal — indem er die ganze Tiefe seiner Worte in diesen Kuss steckte.

Dann sprang er über den Zaun und verschwand in der Stille des Dorfes, wo die letzten Lichter ausgingen.

Alles war still — nur das seltene Bellen und Rascheln des Laubs erinnerte daran, dass die Nacht nahe war.

Nikolaus ging die Straße entlang und steckte seine Hände in seine Taschen. Ein leichtes Lächeln spielte sich auf den Lippen ab.

Er hat für die Aussaat gearbeitet — sie haben anständig bezahlt. Es reichte nicht nur für Essen, sondern auch für Träume: ein neues Dach, ein Lera-Kleid, ein Kinderwagen.

Der Vorsitzende ließ ihn für ein paar Tage frei — man konnte sich ausruhen und die Hochzeit vorbereiten.

Alles schien klar wie ein Sommermorgen.

Doch plötzlich bemerkte er am Straßenrand eine Fremde. Urban — das fiel sofort auf. Enge Hosen, eine Zigarette, ein frecher Blick.

Es war, als würde sie aus diesem ganzen rustikalen Bild herausgeschlagen, als hätte sie einen Sturm mitgebracht.

— Hallo, Schöne! er grinste, als er in der Nähe anhielt. — Woher kommst du?

— Na ja, was für ein Umweg! sie warf den Rauch raus.

— Hast du dir keine Höflichkeit beigebracht? Kannst du mir einen Namen nennen?

— Nikolai. Und du?

«Marina», antwortete sie. — Gibt es hier etwas, wo man Spaß haben kann?

Sonst ist die Langeweile sterblich.

«Tanzen gibt es im Verein — samstags», zuckte Kohl mit den Schultern.

— Und ich bin nicht am Samstag, ich bin jetzt! Sofort!

— Jetzt?.. Nun … dann zu mir. Es ist ruhig da draußen, niemand stört.

— Dann komm zu mir. Ich habe hier bei meiner Großmutter ein Haus gemietet — nicht weit entfernt.

Nach einer Viertelstunde saßen sie bereits in einem kühlen Raum.

Wein, Kerzen, Musik auf einem alten Plattenspieler.

Marina sah ihn trotzig an, in ihren Augen brannte ein Feuer — nicht nur aus Leidenschaft, sondern auch aus Herausforderung, dem Wunsch, die Regeln zu brechen.

— Sollen wir Tanzen? — sie hat vorgeschlagen.

«Komm schon», antwortete er und drückte sie an sich.

Sowohl der Tanz als auch die Musik und ihre Nähe waren wie eine Obsession.

Gefährlich, neblig, verführerisch.

Am Morgen wachte er in kaltem Schweiß auf.

Schnell habe ich mich versammelt, bin auf die Straße gesprungen — wie ein Flüchtling.

Das Morgenmelken wird bald beginnen, die Frauen gehen auf die Farm … Er ist auf der Straße gelaufen, das Herz hat sich zusammengedrückt.

Wie konnte er? Schließlich wartet Lera auf ihn, trägt ihr Kind unter dem Herzen…

Aber am Abend kam er wieder. Marina ging weg — es war seine «letzte Schwäche». Letztes Mal. Das letzte Vergehen.

In der Zwischenzeit, auf der Farm, sagte einer der Melker, grinsend,:

— Lerka, dein Ring war nachts nicht zu Hause. Ich bin zu einem Besucher gegangen.

— Ich glaube es nicht! Lera hat geschrien. Der Eimer fiel aus den Händen und rollte über den Boden.

— Niemand lügt. Sie sagen, er ist mit ihr in die Stadt gegangen.

Er hat dich schwanger verlassen. So…

Diese Worte stießen in ihr Herz. Lera eilte zu Kohls Haus. Die Tür ist verschlossen. Seine Mutter saß am Tisch, seine Augen weinten.

—Er ist weggegangen», flüsterte er. — Damit. In die Stadt.

Lera fiel auf den Boden, die Wand lief herunter wie ein gefällter Baum.

Alles ist zusammengebrochen. Ein Brummen in den Ohren. Gedanken: Schande… Einsamkeit… wie lebe ich jetzt?

Sie lief nach Hause, riss ihren Bademantel von sich, als ob sie versuchte, die Scham von der Haut zu reißen.

Das Herz hat sich zusammengedrückt, der Verstand ist umgestürzt. Aber sie wusste, wohin sie gehen sollte.

Im Dorf lebte Valya — ein Heiler, in dessen Augen sich uralte Weisheit verbarg.

Sie kamen zu ihr, als das Haus in Schwierigkeiten war.

Lera brach weinend in das Haus ein.

— Mom, er hat mich verlassen, ist mit einem anderen gegangen.…

— Was ist mit dir? Und das Baby? die Mutter flüsterte erschrocken.

Der Vater verließ das Zimmer, sein Gesicht war aus Stein.

— Wenn ich erwischt werde, töte ich sie! er knurrte und ballte die Fäuste.

— Mom, ich gehe zu Wallis. Sag auf der Farm, dass ich weg bin…

— Geh, Tochter … Geh.…

Eine Stunde später stand sie vor der Tür.

— Komm rein, Schatz. Wir werden uns setzen, reden, wir werden eine Möwe trinken «, sagte Valya, als hätte sie alles schon gewusst.

Sie schwiegen am Tisch. Dann fragte die alte Frau:

— Womit bist du gekommen?

Und Lera hat alles erzählt — ohne Verschweigen. Tränen, Schmerz, Verzweiflung.

Valya hat ihr eine bittere, herbe Brühe gegossen. Nach ein paar Minuten wurden die Augenlider schwer und sie schlief ein.

In einem Traum ist ein Fluss. Das Kind ertrinkt und ruft sie an. Sie kann sich nicht bewegen. Schreit — aber lautlos.

Dann ein Spritzer — und eine Stille.

Sie wachte in Tränen auf.

— Hast du dich entschieden? — ich habe Valya gefragt. — Lässt du das Baby zurück?

Lera schwieg. Dann ist es ruhig:

— Nein, das ist ein Teil von mir. Ich kann nicht töten.

—Sie ist klug», nickte Valya. — Zurückgeben. Du bist stark. Du bist nicht allein.

Und Lera ging. Mit geradem Rücken. Sie hat noch viel zu tun.

Aber sie weiß — sie wird es schaffen. Selbst. Um im Inneren zu leben.

Neun Monate später wurde ein Junge geboren — stark, gesund, stimmig.

Die Eltern trafen Leroy am Entbindungsheim. Und am nächsten Tag kam die Mutter von Nikolaus — mit einem Knoten voller Windeln.

— Lass mich … meinen Enkel sehen, ich bin Oma.…

Lera schwieg, dann gab sie das Baby zurück. Die Frau drückte ihn an die Brust:

— Mein Blut, meine Großmutter liebt dich.…

Zwei Monate später kam der Nikolaus zurück. Die Stadt hat es nicht akzeptiert.

Marina ist verschwunden. Er beschwerte sich bei Freunden:

— Sie ist keine Gastgeberin … Nur eine Party im Kopf!

—Wenn ich bei Leroy geblieben wäre, wäre alles anders gewesen», antworteten sie ihm.

— Sie wird mir noch vergeben! er winkte ab.

— Nicht vergessen. Sie heiratet. Sohn — zu Ehren ihres neuen Mannes habe ich es aufgenommen. Sie hat ein neues Leben.

Seine Mutter traf ihn mit Schweigen. Ich habe Tee gegossen. Und dann stellte Sie den Koffer auf die Veranda:

— Komm zurück, wo du herkommst. Du bist hier ein Fremder.

Du hast verraten — und du bittest dich nicht um Vergebung.

Und eine Woche später gab es einen Feiertag im Dorf — eine Hochzeit.

Lera ging mit dem Baby in den Armen zum Altar, in einem glänzenden Kleid, mit dem geliebten Mann nebenan.

Ihr Sohn hatte jetzt drei Großmütter — eine Familie, Valya und die Mutter von Nikolai. Alle weinten — vor Glück.

Das Leben ging weiter.

Feste. Ehrliche. Helle.

Und das war ihre Stärke.

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