Die Braut starb mitten während der Hochzeit und wurde in die Leichenhalle gebracht, doch die Mitarbeiterin dort bemerkte etwas Seltsames: Die Wangen der Braut waren rosig, als ob sie lebte, und es gab einen Herzschlag.
Danach geschah etwas, das alle mit Entsetzen erfüllte.
Am Morgen traf ein Krankenwagen am Gebäude ein. Die Sirene verstummte abrupt, und Autos mit weißen Bändern und Blumen fuhren in den Hof. Ein echter Hochzeitszug hielt vor dem Eingang der Leichenhalle. Menschen in festlicher Kleidung standen fassungslos da; einige weinten, andere starrten ins Leere.
Die Braut wurde auf einer Trage hineingebracht. Sie trug ein Spitzenkleid, ihr Haar war sorgfältig frisiert. Der Blumenstrauß lag noch immer auf ihrer Brust. Neben ihr ging der Bräutigam. Er schrie nicht und weinte nicht. Er sah sie an, als wäre alles, was geschah, ein Irrtum.
Die Mitarbeiterin beobachtete alles vom Flur aus. Sie arbeitete noch nicht lange in der Leichenhalle. Am Anfang hatte sie Angst; nachts träumte sie von Gängen und kalten Wänden. Der Chefarzt hatte einmal zu ihr gesagt:
— Du musst keine Angst vor den Toten haben. Gefährlicher sind diejenigen, die herumlaufen und lächeln.
Seitdem blieb sie ruhig bei den Leichen. Sie konnten niemandem mehr schaden.

Als die Familie hinausgeführt wurde, blieb der Körper im Kühlraum. Der Arzt überprüfte schnell die Dokumente und sagte:
— Autopsie morgen. Beende heute deinen Dienst und bleib nicht hier.
— Ist die Todesursache bestätigt? fragte sie.
— Vergiftung. Alles ist klar, unterschrieben. Mach dir keine Sorgen.
Er ging. Es wurde still.
Sie blieb allein. Sie trat näher an den Tisch. Die Braut sah zu ruhig aus. Die Haut war nicht grau. Die Lippen waren nicht blau. Die Wangen glühten leicht.
Sie runzelte die Stirn. In der Leichenhalle ist es immer kalt. Körper werden schnell eiskalt.
Sie berührte die Hand des Mädchens und zog ihre Finger sofort zurück. Die Haut war warm.
Vorsichtig berührte sie sie erneut. Unter ihren Fingern spürte sie die Weichheit eines lebenden Körpers. Es schien, als bewege sich der Brustkorb ganz leicht.
— Das kann nicht sein… flüsterte sie.
Sie legte ihr Ohr auf die Brust. In der Stille hörte sie ein schwaches Geräusch.
Das Herz.
Sie wich zurück und schlug sich die Hand vor den Mund. Wenn sie recht hatte, würde das Mädchen lebendig begraben werden.
Sie wartete nicht und rannte zum Arzt.
— Schnell, kommen Sie. Sie lebt.

Der Arzt seufzte und folgte ihr. Er untersuchte den Körper und sagte:
— Restwärme ist normal. Sie haben sich geirrt.
Er ging. Sie blieb allein.
Später schien es, als bewegten sich die Finger der Braut leicht.
In jener Nacht installierte sie eine kleine Kamera. Am Morgen sah sie sich die Aufnahme an.
Nach Stunden — Bewegung. Die Braut atmete tief ein und öffnete die Augen.
Kurz darauf kamen der Arzt und der Bräutigam herein.
— Alles ist in Ordnung. Die Dosis ist exakt berechnet. Offiziell klinischer Tod, sagte der Arzt.
Sie halfen ihr aufzustehen und brachten sie weg.
Jetzt verstand die Mitarbeiterin alles.
Es hatte keine Vergiftung gegeben. Die Braut war in ein künstliches Koma versetzt worden. Ihr Tod war notwendig für Geld und die Kontrolle über das Unternehmen.
Aber sie hatten eine Sache nicht bedacht — jemanden, der nicht glaubte, dass es nur „Einbildung“ war.
Sie behielt eine Kopie der Aufnahme.
Und dieses Mal ging sie nicht allein in das Büro des Arztes.